Haus Cumberland - ein spannender Ort mit Vergangenheit

Die ruhigen, klaren Grundzüge des Gebäudekomplexes am Kurfürstendamm zwischen der Bleibtreu-, Schlüterstraße und Lietzenburger Straße geben ein bewegendes Zeugnis städtebaulicher Ästhetik ab. Die Kulturgeschichte des Hauses, in dessen Erdgeschoss unser Cumberland Restaurant beheimatet ist, stellt sich immer wieder aufs Neue als unglaublich faszinierend dar – auch für die Menschen, die tagtäglich in der Nummer 194 ein und aus gehen.

Von einer im wahrsten Sinne des Wortes spektakulären Freifläche, über eine weltoffene Luxusherberge, zum Hotspot der künstlerischen Avantgarde bis zum funktionalen Amtsgebäude. Das Cumberland Haus strahlt wie eh und je epochalen Glanz aus und schreibt seine Geschichte unverdrossen weiter. Wir haben für Sie etwas frühe Historie auf das Tableau gehoben:

Zirkusspektakel und Pirouetten

Wir befinden uns um 1900: Ein ursprünglich über 10.000 Quadratmeter großes unbebautes Grundstück am Kurfürstendamm – das wäre in der heutigen Zeit unvorstellbar! Damals, auf dem Weg ins 20. Jahrhundert  gastierte auf dem großen Areal der Riesen-Zirkus “Barnum & Barley”. Eine spektakuläre Zirkusshow und Sensationen zog die Berliner Bevölkerung in ihren Bann: Eine illustre Parade mit Zirkustieren aller Art, Elefanten, Pferde
und Clowns, Gaukler, Artisten, Akrobaten tanzen heute nur noch vor unserem geistigen Auge. Danach wurde die Fläche als Eisbahn zum Schlittschuhlaufen genutzt und Eisskulpturen zierten die Umgebung.

Kulturelles großbauprojekt

Um die Jahrhundertwende: Fedor Berg plante auf genau diesem Areal eine gewagte Investition und ein gigantisches Bauvorhaben: Eine große Oper für Berlin (vor dem Hintergrund frei werdender Wagner-Stücke) in einem angemessenen und einzigartig neuen Rahmen auch in Berlin auf die Bühne bringen zu können – ein Inbegriff für Kunstsinn und Zivilisation zum damaligen Zeitpunkt. Eines der größten Theater des europäischen Kontinents war damit in Planung gegeben. Es sollten mehr Sitzplätze entstehen, als in der Pariser Oper. 

1910 gewannen die Architekten Bruno Schmitz und Oskar Kaufmann den Große Oper AG Architekturwettbewerb. Es gab jedoch Probleme mit den Behörden: Charlottenburg scheute sich, so ein gigantisches Projekt allein zu verantworten und involvierte die Berliner Behörden. Verkehrstechnische Bedenken stoppten das Projekt Opernhaus, da der Ku’damm in erster Linie Wohn- und Freizeitboulevard sei.

Luxusherberge für Cosmopoliten

1911 erfolgte daraufhin die Umwandlung der Große Oper AG in die Boardinghouse AG. Weltstädtisch, vornehm – es entstand ein Boardinghouse-Konzept nach amerikanischem Vorbild, in dem der wohlhabende Kosmopolit als Gast selbst aus einer Anzahl unterschiedlicher Räumlichkeiten auswählen kann – eine elegante Wohnstätte für inländische oder ausländische Besucher, für kurze oder lange Berlin-Aufenthalte oder auch für Einheimische, die diesen Wohnkomfort auch gerne für sich in Anspruch nehmen wollten.
Als Architekt fungierte der Berliner Regierungsbaumeister a.D. Robert Leibnitz, kein geringerer als der “Adlon-Architekt”. Am 18.5.1911 begannen die Bauarbeiten mit der Herstellung der Betonfundamente.

Das Ziel: Eine gelungene Symbiose aus Luxus, Komfort und Service eines erstklassigen Hotels auf der Höhe der damaligen Zeit und mit der Behaglichkeit, Intimität und Abgeschiedenheit, die eine Privatwohnung bietet.

Cumberland – der Name

1912: Der erste Name Boarding-Palast wurde nur kurz danach in Hotel Cumberland geändert – vermutlich zu Marketingzwecken. Die Anlehnung an den Herzog von Cumberland wurde durch die Fassade mit Motiven des englischen Landhausstils (vornehmen schlicht / klar angelegter Grundriss) gestützt. Übernachtungen in über 600 Zimmern in 750 Betten waren möglich. Zum Vergleich: Das beinhaltete eine größere Kapazität als das Hotel Adlon.
Das Erdgeschoss des Hotelpalastes war eine zentrale Passage, vermietet an hochklassige Gastronomen, gehobene Dienstleister und Einzelhändler

Leider ließ 1913 der unmittelbare wirtschaftliche Erfolg auf sich warten und kurze Zeit später, im Sommer 1914, brach der erste Weltkrieg aus.

1. Weltkrieg – vom Boardinghouse zur Behörde

1917: Unterbringung von Kriegsministerium, wie das kaiserliche Amt zur Beschaffung von Waffen und Munition (Wumba). Nach Ende des ersten Weltkriegs zog das Reichswirtschaftsministerium ein. Die Hotelzimmer wurden nach und nach in Amtsstuben umgebaut. So war es wohl nicht ungewöhnlich, dass so mancher Bürokrat nach anstrengender Akteneinsicht sich noch einmal hinter dem Badvorhang am eigenen Waschbecken erfrischen konnte.

Die "goldenen" Zwanziger – Lichtspiele, Chansons und Kabarett

Die Berliner Avantgarde traf sich im Cumberland: Kino (Palmenhaus), Theater und Kabarett, Revues, Varieté gaben den Ton an. Berlin feiert die Blüte des Kabaretts; fähige Kabarettisten, Komiker und Schauspieler gaben ihre Gastspiele. So begeisterte “Der blaue Vogel” russisches Exil-Theater auf der Bühne des Palmenhauses beispielsweise die literarischen Zeitgenossen Else Lasker-Schüler und Kurt Tucholsky.

Während der dunklen Zeit der Naziherrschaft hatte die behördliche Nutzung des Gebäudes wieder Vorrang, das unfreiwillig unrühmliche Kapitel der Cumberland-Räumlichkeiten. Kulturelle Institutionen wurden geschlossen, die Verwaltung der NS-Diktatur hatte das Sagen. Luftangriffe verursachten auch einige Gebäudeschäden, die jedoch heute allesamt Geschichte sind.

Die Nachkriegsjahre

Nach dem Krieg wurde das Gebäude erst dem Landesfinanzamt dann der Oberfinanzdirektion Berlin als Amtsgebäude zur Verfügung gestellt. Bis 2003 diente es dem Beamtenapparat als berufliche Heimat – die Oberfinanzdirektion zog 2003 aus. Parallel dazu interessierte sich aber erstmals wieder Gastronomie und Dienstleistung für die Einzelhandelsfläche: Vor der Jahrtausendwende formierten sich wieder Bemühungen verschiedenster Investoren und Hotelketten, das Gebäude seiner ursprünglichen Bestimmung als Luxushotel zuzuführen, was nie finalisiert werden konnte. So entstanden auch lange Phasen des Leerstands.

Und heute?

Den meisten Berlinern ist das Haus Cumberland am Ku’damm ein Begriff. Doch nur wenige wissen, welche ereignisreiche Geschichte dieses Gebäude umweht, welche Bestimmung es zu Zeiten des Kaiserreiches erhielt und welche unterschiedlichsten Funktionen der Lauf der Geschichte dem Haus teilweise aufbürdete. Die letzte aufwändige Sanierungsphase des denkmalgeschützten Riesen bietet nun den Boden für einen Zeitabschnitt, in der Geschichte und Gegenwart eine wertschätzende Symbiose eingehen. Gastronomie, edle Läden, Büro- und Wohneinheiten sind harmonisch nebeneinander arrangiert. Das sieht und fühlt man bei jedem Schritt. Besuchen Sie uns im Cumberland Restaurant oder genießen Sie die geschichtsträchtige Atmosphäre und reservieren Sie einen Platz in unserer Weinbar! Wir freuen uns, Sie im Cumberland willkommen zu heißen!

Haus Cumberland Außenansicht